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Ist Passivrauchen schädlich?



Der heutige Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse besagt, dass man das unfreiwillige Einatmen von Tabakrauch (Passivrauchen) nicht nur als belästigend, sondern auch als gesundheitsschädlich ansehen muss. Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Husten, Schwindel und Bronchitis können die Folge sein. Die bis heute vorliegenden 25 epidemiologischen Studien ergeben in ihrer Gesamtheit einen deutlichen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs. Die mittlere Erhöhung des Lungenkrebsrisikos durch Passivrauchen liegt etwa zwischen 30 und 50 Prozent. Nach Berechnungen von Doll und Peto sowie des Bundesgesundheitsamtes ist das Lungenkrebsrisiko nach 10jährigem Passivrauchen rund 100mal größer als dasjenige nach 10jährigem Besuch einer Schule mit einer Asbest-Konzentration von 1000 kritischen Fasern pro Kubikmeter Luft. Schätzungen aus Großbritannien und den USA ergeben auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen jährlich 500 bis 1000 Nichtraucher, die durch Passivrauchen allein an Lungenkrebs sterben. Solche Schätzungen sind trotz der relativ großen Schwankungsbreite eine wichtige Hilfe bei der Einordnung eines Risikos nach seiner Bedeutung.

Inzwischen gibt es auch 11 Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Herzkrankheiten hinweisen. Im Mittel ist das Risiko um 25-30 Prozent erhöht. Wenn es auch noch Schwierigkeiten bei der Interpretation der möglichen Wirkungsmechanismen gibt, so scheint die bis jetzt vorliegende Evidenz auszureichen, um Passivrauchen als Ursache für Herzkrankheiten anzusehen. Dieser Zusammenhang ist deshalb so bedeutend, weil nach Berechnungen aus den USA durch Passivrauchen etwa zehnmal so viele Nichtraucher an Herzkrankheiten wie an Lungenkrebs sterben und Passivrauchen damit nach Rauchen und Alkohol an dritter Stelle der wichtigsten vermeidbaren Todesursachen steht. Das einatmen von Tabakrauch kann darüber hinaus die Beschwerden bei bestimmten Erkrankungen - zum Beispiel Angina pectoris - verstärken.

Das gesundheitliche Risiko des Aktivrauchens ist zwar bei weitem höher als das des Passivrauchens. Es kann aber davon ausgegegangen werden, dass in geschlossenen Räumen kaum ein anderer luftgetragener Schadstoff das Risikopotential des passiv inhalierten Tabakrauches erreicht. In ihrer Gesamtheit reichen die vorliegenden Kenntnisse über die auftretenden Schadstoffkonzentrationen und die Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen zur Begründung gesetzlicher und administrativer Maßnahmen aus. Die Risiken durch Tabakrauch in der Innenraumluft sind unnötig und vermeidbar.
Quelle: Zeitschrift der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) Januar/März 1/1992