|
Mitmachen – Mitdenken – Mitgestalten
– Mitverändern ... |
Zahngesundheit
Gesundheit kauft man nicht im Handel, sie liegt im eigenen Lebenswandel!
Dunedin/Wien - Eine Langzeitstudie belegt jetzt den Zusammenhang zwischen Rauchen und früh wackelnden Zähne. Bei Jugendlichen, so fanden Forscher von der School of Dentistry aus Dunedin in Neuseeland heraus, die schon mit 15 Jahren regelmäßig rauchen, ist das Risiko für einen frühen Zahnfleischschwund dreimal so hoch wie bei gleichaltrigen Nichtrauchern. Die Folgen sind Parodontitis, Verlust des Stützgewebes, erhöhte Zahnbeweglichkeit, Zahnwanderungen und Abszesse. Bei Personen, die seit dem 21. Lebensjahr geraucht hatten, war das Risiko für Zahnfleischschwund um das Doppelte erhöht und um das Dreifache bei jenen, die schon mit 15 zu rauchen begonnen hatten.
Neue wissenschaftliche Forschungen belegen aber auch, dass Parodontitis - also eitrige Entzündungen der Zahntaschen bis hin zum gesamten Zahnhalteapparat - nicht nur unschön, unangenehm und kostspielig, sondern ausgesprochen gefährlich sein kann. "Bei Schwangeren mit Parodontitis ist die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt nachweislich zehnmal höher als bei Frauen ohne erkranktem Zahnfleisch", sagt Michael Matejka, Leiter der soeben eröffneten Abteilung für Parodontologie und Prophylaxe der Wiener Universitätszahnklinik. Bei werdenden Müttern mit Parodontitis lassen sich bereits in der 15. Schwangerschaftswoche eindeutig erhöhte Entzündungswerte im Fruchtwasser nachweisen.
Neue Untersuchungen zeigen, dass Zahnbetterkrankungen auch den Verlauf von Diabetes und hohem Blutdruck ungünstig beeinflussen, oder die Gesundheit der Lunge gefährden können. Ebenso weiß man heute, dass schwere Zahnerkrankungen auch Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. Patienten ohne Parodontitis leben im Durchschnitt sieben Jahre länger als Vergleichspersonen mit so einem Entzündungsherd im Mund. "Ursache sind verschiedene Bakterienarten, die in der Mundhöhle vorkommen", erklärt Matejka. "Erreger und im Gewebe entstehende Entzündungsstoffe entfalten ihre schädliche Wirkung auch in weit vom Kopf entfernten Organen."
Ein völlig neues Verfahren zur Früherkennung und Prävention von
Zahnkrankheiten ist ein von der Wiener Universitätszahnklinik angebotener
genetischer Test, der das Risiko für schwere Zahnbetterkrankungen
feststellt.
Würden die Menschen auf die ersten Symptome wie
Zahnfleischschwellung und Zahnfleischbluten reagieren, könnte die Erkrankung
vollständig geheilt werden, sagt Matejka. "Um Karies und Zahnfleischentzündungen
wirksam vorzubeugen, ist primär eine konsequente und bedarfsgerechte, also
individuell angepasste Entfernung bakterieller Beläge nötig." Um die schädlichen
Einflüsse der Zahnkeime abzuwehren, reiche es normalerweise, zweimal täglich die
Zähne zu putzen und in individuell mit dem Arzt festzulegenden Abständen die
professionelle Reinigung der Zähne durch den Zahnarzt durchzuführen. (rbe, DER
STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.10.2001)
Einfluß des Rauchens auf Mund und Zähne.Tabak, besonders wenn er geraucht wird, hat einen substanziellen Einfluß auf
Gesundheit und Krankheit des Zahnfleisches. Er verursacht eine zunehmende
Krankheitshäufigkeit in Bezug auf Verlust von Zahnfleisch, Knochen und deren
Verbindung. Außerdem übt er einen versteckten Effekt auf Zahnfleischentzündungen
aus. Die Risikoeinschätzung basiert auf einer wachsenden Zahl von Untersuchungen
in den letzten Jahren und legt nahe, daß das attributale Risiko von Tabak
erheblich ist: 2,5 bis 6,0 oder sogar größer. Obwohl der Mechanismus nicht
geklärt ist, mit dem der Tabak seinen Einfluß ausübt, gibt es bislang keine
Erkenntnisse darüber, daß diese Ergebnisse mit anderen Einflüssen wie Plaque
oder spezieller ikroflora in Zusammenhang gebracht werden können. Es scheint
eher wahrscheinlich, daß er einen Einfluß auf den ganzen Körper hat und so
Symptome oder Empfindlichkeiten hervorruft. Die Hauptneuigkeit des Reports ist,
daß die aktuellen Daten zeigen, daß, obwohl die allgemeine Krankheits häufigkeit
abnimmt, das Verhältnis von Krankheiten des Zahnfleischs in Bezug auf Tabak
stabil ist oder sogar zunimmt. Dies scheint analog zu sein zu dem, was bei
anderen Rauchassoziierten chronischen Krankheiten beobachtet wurde. Dies
wiederum zeigt, daß Krankheiten des Zahnfleischs sich so wie verschiedene andere
chronische Krank heiten verhalten, und weiterhin, daß Tabak als bedeutender
Risikofaktor für chronische Krankheiten des Zahnfleischs zu betrachten
ist.
Bergstrom,J; Preber,H (1994):
Tobacco use as a risk factor. J.
Periodontol. 65(5, Suppl, May), 545-550.
Zahnimplantate gelingen besser bei Nichtrauchern: Die folgende Studie beschreibt den Einfluß des Rauchens auf das frühe
Versagen von Anfangsinstallationen vor der funktionellen Belastung durch eine
Zahnprothese. Von 208 Installationen im Unterkiefer versagte nur 1 (0,5%), und
kein nachteiliger Einfluß des Rauchens auf den Bestand der Installation konnte
festgestellt werden. Im Oberkiefer versagten 12 von 244 (4%) der Installationen;
7 von 78 bei Rauchern und 3 von 366 bei Nichtrauchern. Die Versagerrate vor der
Belastung war 9% bei Rauchern gegenüber 1% bei Nichtrauchern. Sie war
statistisch signifikant, ungeachtet der Tatsache, daß die Knochenqualität in
beiden Gruppen vergleichbar war. Versagende Installationen kamen bei 31% der
Raucher vor, obwohl die Knochenqualität oft exzellent, die Länge der
Installationen groß oder die Anfangsstabilität gut war. Nur bei 4% der
Nichtraucher kam es zu Versagern, in den meisten Fällen aufgrund schlechter
Knochenqualität. Hieraus ist zu schließen, daß Rauchen ein bedeutender, wenn
auch nicht der einzig wichtige Faktor für das Versagen vor der funktionellen
Belastung ist.
De Bruyn,H; Collaert,B (1994):
The effect of smoking
on early implant failure.
Clin. Oral. Implants. Res. 5(4, Dec), 260-264.
Rauchen hat eine zerstörerischen Effekt auf die Mundhöhle. Untersuchungen
haben Rauchen mit Mundkrebs, Krankheiten des Zahnfleischs, Leukoplakie,
Stomatitis und Zahnfleischbluten in Verbindung gebracht. 1991 veranlaßte die
Klinische Untersuchungsgruppe für Zahnimplantate (Dental Implant Clinical
Research Group) eine in Aussicht stehende klinische Studie, um den Einfluß von
Design, Anwendung und Lage von Implantaten zu erforschen. Über 70
medizingeschichtliche und zahnmedizinische Variablen und Auschlußfaktoren wurden
analysiert, um Beziehungen zum Versagen von Implantationen zu bestimmen. Die
Variablen wurden einzeln analysiert für individuelle Implantate, Prothesen und
Patienten. [...] Bei dieser vorläufigen Analyse repräsentieren 2066 Implantate
433 Prothesen bei 310 Patienten. In Hinblick auf die Versagerrate von
Implantaten wurden die 9 möglichen Ausschlußvariablen und die 39
medizingeschichtlichen Variablen als statistisch nicht sigifikant eingeordnet.
Bei den 23 zahnmedizinischen war nur der Bezug auf Rauchen statistisch
signifikant. Die Resulate aus dieser vorläufigen Analyse weisen darauf hin, daß
Rauchen schädlich für den Erfolg von Implantaten
ist.
Gorman, LM; Lambert,PM; Morris,HF; Ochi,S; Winkler,S (1994): The effect
of smoking on implant survival at second-stage surgery: DICRG Interim Report No.
5. Dental Implant CLinical Research Group. Implant. Dent. 3(3, Fall), 165-168.
Rauchen erhöht die Gefahr von Komplikationen im Mund- und
ZahnbereichPrimaVi Rauchen kann häufig bei Zahnreparaturen, Implantaten und anderen an den Zähnen vorgenommenen Arbeiten "Probleme bereiten". Tabakrauch beeinträchtigt auch das Zahnfleisch, erhöht die Gefahr, dass sich die Zähne lockern und verursacht Krebs im Mundbereich. Diese Gefahren wurden von einer aus Zahnärzten aus verschiedenen europäischen Ländern bestehenden Arbeitsgruppe herausgestellt, deren Studie in einer der letzten Ausgaben des British Medical Journal veröffentlicht wurde. Die Studie zielt darauf ab, Zahnärzte in Europa dafür zu gewinnen, ihre Patienten verstärkt dazu anzuhalten, das Rauchen aufzugeben. In zahlreichen Vorstudien wurde Rauchen mit einer Reihe von Komplikationen in der Mundhöhle und an den Zähnen in Verbindung gebracht, unter anderem mit einer erhöhten Krebsgefahr im Mundbereich, verstärkter Neigung zu Parodontose und geringerem Erfolg von Zahnimplantationen. Die Studien zeigten außerdem, dass bei Rauchern eher Probleme wie Zahnverfärbungen und verfärbte Kronen und Mundgeruch auftreten. Auch ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung von Gerüchen und Geschmäckern ist beeinträchtigt. "Die Forschungen über die Auswirkungen des Rauchens auf die Mundhygiene begannen bereits Ende der 50er Jahre. So richtig kamen sie allerdings erst in den 70er und 80er Jahren in Gang", sagt Lena Persson, eine Doktorandin am Institut für Zahnheilkunde des Karolinska Krankenhauses, die ihre Doktorarbeit über die Auswirkungen des Rauchens auf Entzündungen im Mundbereich schreibt. Klarer Zusammenhang zwischen Rauchen und lockeren Zähnen
Lena Perssons Forschungsergebnisse zeigen bislang einen klaren Zusammenhang zwischen Rauchen und lockeren Zähnen. "Vor allem wird deutlich, dass die Zähne bei Rauchern viel früher locker werden als bei Nichtrauchern", sagt sie. Darüber hinaus ist es häufig schwierig, das Problem locker werdender Zähne sowie anderer Zahnfleischentzündungen bei Rauchern zu erkennen. "Das normale Anzeichen für eine Entzündung ist, dass das Zahnfleisch rot wird, schmerzt und anschwillt. Raucher haben häufig blasseres Zahnfleisch als Nichtraucher, selbst dann, wenn es entzündet ist. Dadurch ist es schwieriger, die Entzündung rechtzeitig festzustellen. Jedenfalls, wenn man das Zahnfleisch mit bloßem Auge betrachtet. Vielfach werden Entzündungen natürlich auf routinemäßig angefertigten Röntgenbildern entdeckt", erklärt Lena Persson. Forscher vermuten, dass das Zahnfleisch von Rauchern deshalb blasser sein könnte als das von Nichtrauchern, weil Raucher eine schlechtere Durchblutung haben als Nichtraucher. "Die schlechtere Durchblutung bedeutet auch, dass es zum Beispiel wesentlich länger dauert, bis Raucher, die operiert wurden oder denen ein Zahn gezogen wurde, wieder geheilt sind. Dies gilt auch für Personen, die irgendeine Art von Zahnimplantat erhalten. Schließlich handelt es sich auch dabei um einen chirurgischen Eingriff, und bei Rauchern geht die Heilung langsamer vonstatten. Eher längerfristig besteht auch die Gefahr, dass die Schrauben sich bei Rauchern schneller lockern", berichtet Lena Persson. Laut Seppo Wickholm vom schwedischen Zentrum für die Tabakprävention sind es hauptsächlich Raucher, bei denen Implantatoperationen misslingen. Stimmbandkrebs bei Rauchern häufiger zu finden.
Obgleich immer noch erhebliche Unsicherheit darüber besteht, wie Tabakrauch
auf Zähne und Mundhöhle wirkt und welches die aktiven Substanzen im Rauch sind,
gibt es doch etliche klare Zusammenhänge zwischen dem Rauchen und einer Reihe
sehr schwerwiegender Munderkrankungen. "Nicht zuletzt sind viele Krebsarten im
Bereich der Mundhöhle viel häufiger bei Rauchern zu finden. Zum Beispiel handelt
es sich bei 70 bis 80 Prozent der Personen mit Stimmbandkrebs um Raucher",
berichtet Lena Persson.
Auf der anderen Seite gibt es keinen klaren
Zusammenhang zwischen Schnupftabak und verstärkten Problemen im Mund- und
Zahnbereich. "Bislang konzentrierte sich die Debatte auf den Zusammenhang
zwischen anderen Formen oralen Tabakgenusses als Rauchen und Mundhöhlenkrebs.
Aber es liegt keine Forschung vor, die einen klaren Zusammenhang aufzeigt.
Andererseits wissen wir, dass Personen bei oralem Tabakgenuss häufig einen
höheren Blutdruck haben, und dass ihr Zahnfleisch dort, wo der Tabak abgelegt
wird, angegriffen und gereizt wird", sagt Lena Persson.
Schwedische ärzte sind Lena Persson zufolge über tabakbezogene Probleme gut
informiert. "Der Zahnarzt sollte den Patienten nach dessen Rauchgewohnheiten
fragen und deutlich auf die Gefahren hinweisen". In der Abteilung für
Zahnheilkunde sind wir bestrebt, die Informationen über das Rauchen zum Teil der
Zahnbehandlung zu machen. Der Zahnarzt sollte mit dem Patienten auch darüber
reden, welche Möglichkeiten bestehen, mit dem Rauchen aufzuhören. "Es ist nie zu
spät", das Rauchen aufzugeben und dadurch die eigenen Chancen auf bessere
Zahngesundheit zu steigern. Das Zentrum für Tabakprävention hat gemeinsam mit
der Abteilung für Zahnheilkunde einen dreitätigen Kurs in Zahnhygiene
durchgeführt, bei dem die Zahnhygieniker über Antirauchbehandlungen aufgeklärt
wurden. Die Idee ist, dass Zahnhygieniker in der Lage sein sollten, ihren
Patienten jegliche Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um mit dem Rauchen
aufzuhören. "Nach etwa zehn Jahren lassen sich keine Unterschiede zwischen einem
früheren starken Raucher und einem Nichtraucher mehr feststellen", erklärt Lena
Persson.
Ola Blomqvist,
Anita Nordlund