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Masslose Forderungen

Viel zu oft werden die Forderungen der Gewerkschaften als "maßlos" dargestellt. Manche Nichtmitglieder beschimpfen sogar Gewerkschafter, mit „Ewiggestrige Betonköpfe“ und halten die Gewerkschaften für überholt. Manche „Nieten im Nadelstreifen Anzug“ (Manager) müssen daher herausgefunden haben, dass die meisten Beschäftigten, insbesondere Angestellten, nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die Manager haben damit festgestellt, dass die meisten Beschäftigten gar keinen Anspruch auf die "maßlosen, überzogenen Tariferhöhungen bzw. Sozialleistungen" haben. Und weil die Nichtmitgliedern nicht freiwillig auf die ihnen von den Gewerkschaften „aufgezwungenen“ Verbesserungen verzichten wollen, haben die Manager nun alle soziale Leistungen gestrichen.

Für „Ewiggestrige“ halte ich jedoch die Verteidiger eines Systems, das nicht in der Lage ist, die rasant wachsende Produktivität im Interesse der breiten Bevölkerung einzusetzen. Große Reichtümer werden in der Weltwirtschaftskrise vernichtet, weil das System nicht in der Lage ist, sie für die Bevölkerung einzusetzen.

Diesem System fällt dann nur ein, Schwierigkeiten auf die Arbeiter und Angestellten abzuwälzen, Steuern zu erhöhen etc. 15 Jahre nach dem Zusammenbruch des bürokratischen Systems des Ostblocks ersticken nun die Propagandisten „vom Ende der Geschichte“ an ihrer eigenen Parolen.

Das Streben nach Weltherrschaft der internationalen Konzerne verschärft den Konkurrenzkampf und führt zu Kriegen wie im Irak. Ohne die Arbeit der Arbeiter und Angestellten auszubeuten, kann kein Kapitalist Reichtümer ansammeln. Woher auch?

Das ist eine einfache Tatsache. Die bestimmenden internationalen Großkonzerne werden über Aktienbesitz von Familien kontrolliert, die überhaupt nicht wissen müssen, was und wie produziert wird. Dafür halten sie sich Manager und bezahlen sie nicht schlecht.

Arbeiter und Angestellte sind aber keine Opfer, sondern offensichtlich diejenigen, die alle modernen Maschinen und Computer bedienen oder überwachen und selbst angehalten werden, die Produktionsmethoden laufend zu verbessern. Damit können sie ganz andere gesellschaftliche Verhältnisse schaffen.

Allerdings denke ich nicht an einen idealisierten kapitalistischen Staat, der Demokratie nur abgestuft nach Geld und Macht zulässt. Sicher muss jeder Staat auch in die Weiterentwicklung der Produktionsgrundlagen und Technik investieren.

Die Frage ist nur, werden sich diejenigen, die alle Steuern (auch „Unternehmenssteuern“) erwirtschaften, damit zufrieden geben, dass nur eine Minderheit darüber verfügt und die Ziele bestimmt?

Tarifverträge können nur zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände vereinbart werden. Die Nieten im Nadelstreifen Anzug (Manager) müssen aber herausgefunden haben, dass über 90 % der Angestellten nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die Manager haben damit festgestellt, dass über 90 % der Angestellten gar keinen Anspruch auf die "maßlosen, überzogenen Tariferhöhungen bzw. Sozialleistungen" haben.

Und weil die Angestellten nicht freiwillig auf die ihnen von den Gewerkschaften aufgezwungenen Verbesserungen verzichten wollen, haben die Manager nun alle soziale Leistungen gestrichen. Einige Nieten sind sogar aus dem Tarifverbund ausgestiegen, um nun auch die Arbeiter besser Unterdrücken und Ausbeuten zu können.

Längst haben die Manager mit ihrem Kult um Höchstrenditen den Gesellschaftsvertrag gekündigt, sie treiben rücksichtslosen Raubbau an der Umwelt, zerstören soziale Errungenschaften, degradieren die Politiker zum "Kellner des Kapitals", demontieren Demokratie und Solidarität. Solange die UdSSR, seit den 50er Jahren nur eine schlechte Karikatur auf den Sozialismus, als angeblich "großer Feind" unserer Gesellschaftsordnung existierte, spielten diese Manager den Wolf im Schafspelz, um uns vorzugaukeln, dass der Kapitalismus im netten Kleidchen der "sozialen Marktwirtschaft" ein menschliches Gesicht trägt.

Damit sollte der Gedanke an einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung verdrängt werden. Jetzt zeigt der "Kapitalismus" seine dreckige Fratze. Gerne denke ich daher, auf die Worte von Bischof Franz Kamphaus zurück. Ich zitiere:

Als in den 70er und 80er Jahren die polnischen Werftarbeiter sich unter der Fahne der Solidarität zusammenschlossen und sich gegen ein totalitäres System erhoben, leuchtete allen unmittelbar ein, was diese Menschen unter Solidarität verstanden: Zusammenhalt gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung, gemeinsamer Kampf, in dem sich jeder auf jeden verlassen kann.

„Solidarität“ ist keine romantische Idee, sondern eher ein Kampfbegriff. Die Arbeiterbewegung hat die Erfahrung auf den Punkt gebracht, daß nur durch Zusammenstehen berechtigte soziale Forderungen durchzusetzen sind. Zitat ende.

Solidarität ist also notwendig, um der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, wodurch Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Angestellte gedrückt werden, wirksam entgegenzutreten.

Nun fordern aber ausgerechnet jene „Solidarität“, die darunter verstehen, Arbeitsplätze zu streichen und Gehälter abzubauen. Unter dem Modewort „Outsorcing“ (Ausgliederung) üben Unternehmer seit 1994 ihre Solidarität. In Betrieben ohne Tarifbindung werden seit Jahren keine Gehaltserhöhungen mehr gezahlt. Gleichzeitig hat sich seit 1990 die Arbeitsleistung jedes Beschäftigten um fast 100 % erhöht.

Die Arbeitsplatzvernichtung, die Vernichtung von Ausbildungs-plätzen, Abbau sozialer Errungenschaften, wie der Essenzuschuß, zusätzliches Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalts, weniger Urlaubstage, unbezahlte überstunden usw. erfordern den organisierten Widerstand der Arbeiter und Angestellten.

Denken die Manager etwa, sie bräuchten keine Rücksicht mehr nehmen auf Gewerkschaften, und demokratische Rechte usw. wie seinerzeit im Manchester-Kapitalismus? Ob sich diese Herren da nicht vertan haben! Ich freue mich aber, dass der Widerstand der Arbeiter und Angestellten von Tag zu Tag wächst.

Meines Erachtens ist es daher dringend notwendig, aktiv in der Gewerkschaft zu arbeiten. Denn nur gemeinsam organisiert können wir gegenüber dem Management durchsetzen, nach den Tarifen bezahlt zu werden. Tarife sind Mindestvereinbarungen, die solidarisch erkämpft wurden.

Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat bereits verloren!