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Kein Arbeitsplatz gerettet

Arbeit verbilligen ???

LESERBRIEF, Kein Arbeitsplatz gerettet, erschienen am 02.07.2004 in der Frankfurter Rundschau

Der Holzmann-Konzern, die Kirch-Gruppe, der Schreibwarenhersteller Herlitz und der Maschinenbaukonzern Babcock waren die markantesten Beispiele dafür, dass ein "Friedensschluss" (Mehrarbeit ohne Lohnausgleich) keinen einzigen Arbeitsplatz gerettet oder geschaffen hat. Zwischen November 1999 und Dezember 2002 wurden alle Jobs "sozialverträglich" vernichtet! Ich finde daher, dass die erpresste Einigung über die fünf unbezahlten überstunden/Woche und die "Streichung" (erfolgsabhängige Jahreszahlung) des Weihnachts- und Urlaubsgeldes keine "Alternative zum phantasielosen Stellenabbau" sein kann, wie Kollege Huber resignierend bekräftigte. Wie will er eigentlich verhindern, dass die 2000 Stellen von den nordrhein-westfälischen Werken Kamp-Lintfort und Bocholt nicht trotzdem nach Ungarn verlagert werden? Siemens stellt doch unmissverständlich klar, dass durch den technologischen Wandel Arbeitsplätze vernichtet werden und weitere 1000 bis 2000 heimische Stellen auch bei einem Entgegenkommen von Belegschaft und Gewerkschaft nicht zu retten seien. Dieser angebliche "Friedensschluss" ist in meinen Augen nichts anderes als eine Erpressung, die Begehrlichkeiten bei anderen Unternehmen erweckt, siehe Beispiel MAN-Konzern.

Längst haben doch die Topmanager mit ihrem Kult um Höchstrenditen den Gesellschaftsvertrag gekündigt, sie treiben rücksichtslosen Raubbau an der Umwelt, zerstören den Sozialstaat, degradieren die Politiker zum "Kellner des Kapitals" demontieren Demokratie und Solidarität. Solidarität ist notwendig, um der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, wodurch Löhne und Arbeitsbedingungen gedrückt werden, wirksam entgegenzutreten. Tarife sind Mindestvereinbarungen, die solidarisch erkämpft wurden. Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat bereits verloren.

Stefano Marinello, Frankfurt a. M.