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Dioxin: Passivrauchen ist viel riskanter als Müllverbrennung



Berlin - Wer sich mehrere Stunden in einem verrauchten Raum aufhält, bekommt mehr Dioxin zusätzlich ab als Anwohner von Müllverbrennungsanlagen ihr ganzen Leben lang. Dies errechnete Dr. rer. Nat. Wolfgang Rotard vom Bundesumweltamt, Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene.
(münch ärztl. anz Nr. 5/1995, S. 16-17.)
Nach Messungen des Berliner Instituts inhaliert ein Raucher im Hauptstromrauch einer Zigarette eine Dioxinmenge von etwa o,1 bis o,3 pg I-Teq (Internationale toxische Dioxinäquivalent). Bei einer Zigarette mit 0,8 g Tabak werden im Hauptstromrauch etwa 20 Prozent der Rauchgase direkt inhaliert; zirka 80 Prozent verbleiben im Nebenstromrauch, dem auch der Passivraucher ausgesetzt ist. Der Nebenstromrauch entsteht bei Verbrennungstemperaturen um 600 ºC unter Sauerstoffmangel. Dies Bedingungen begünstigen die Dioxinbildung wesentlich stärker als beim Hauptstromrauch, der unter Sauerstoffüberschuß bei 900 ºC produziert wird. Insgesamt entsteht damit pro Zigarette eine Dioxinmenge von 0,5 bis 1,5 pg I-TEq, schätzt Dr. Rotard.

Dioxine werden zu 95 Prozent über Nahrungsmittel aufgenommen. Moderne Müllverbrennungsanlagen belasten die Anwohner zusätzlich mit etwa 0,11 pg I-Teq pro Jahr, so die Berechnung des Berliner Wissnschaftlers. Bei einem schwachen Raucher, der Zehn Zigaretten täglich konsumiert, macht die Zusatzbelastung 700 pg I-Teq pro Jahr aus - etwa 6000mal mehr als bei einem MVA-Anwohner. Selbst Passivraucher muß im Durchschnitt eine etwa 1000fach höhere Zusatzbelastung ertragen als Anwohner.