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Kinderschutzbund, Offener Brief
Betr.: Ihr Kommentar "Gesundheitsförderung durch Partizipation"
im Gewerkschaftsheft "Erziehung und Wissenschaft", Nr. 3/ 1995
Sehr geehrter Herr Hilgers,
unser Verein setzt sich für die Belange von Bürgerinnen und Bürgern ein, die nicht gezwungen werden wollen, fremden Tabakrauch einzuatmen. So begrüßen wir Ihren Kommentar in der Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( GEW ).
Diesem zufolge müßte die Stadt Dormagen die nichtraucher- = kinderfreundlichste Stadt der Bundesrepublik Deutschland sein. Sie führen zu recht aus, "daß Menschen ihr Gesundheitspotential nur dann weitestgehend entfalten können, wenn sie auf die Faktoren, die ihre Gesundheit beeinflussen, auch Einfluß nehmen können". Doch wie können die hilflosesten Opfer des Zwangsmitrauchens Einfluß nehmen? Viele Kinder stinken nämlich bereits am frühen Morgen wie Kneipengänger nach Tabakrauch. Es ist eine Schande, daß fast alle, die in Verbänden, Parteien, Gewerkschaften und Schulen an der Veränderung dieser Situation gar nicht interessiert sind! Daher ist die in Kraft getretene UN-Kinderrechtkonvention im täglichen Leben bisher lediglich ein Stück Papier geblieben. In der BRD wird zugunsten marktpolitisch motivierter Bestrebungen eine "Partizipation" an der Gesundheitsförderung , bislang fast unmöglich gemacht . Länder wie die USA, Canada, Australien und Frankreich zeigen jedoch durch verschärfte Nichtraucherschutzgesetze, daß eine "Partizipation" für alle Bürgerinnen und Bürgern möglich ist.
Nachdenklich stimmt uns, daß sogar ein Vertreter des Kinderschutzbundes Frankfurt auf einem Straßenfest in der Rotlintstraße den Qualm seiner Zigarette den Kindern ins Gesicht blies. Auf unser Mißfallen, äußerte er sich abfällig : "Ja! Ja! Wir bringen den Kinder das Fixen bei" Uns fällt dazu nur die Warnung ein: Schützt die Kinder vor den qualmenden Vertretern des Kinderschutzbundes Frankfurt.
Wir möchten Sie hiermit bitten, sich als Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, für den Schutz von Kindern vor dem Zwangsmitrauchen einzusetzen. Denn ein solcher Schutz dient schließlich dazu, daß die Kinder an ihrer "Gesundheitsförderung partizipieren"können. Meinen Sie nicht auch?
Mit freundlichen Grüßen