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Arbeiterrechte in Australien ausgehebelt


Da es weder die Frankfurter Rundschau noch die Frankfurter Neue Presse und auch nicht die Frankfurter Allgemeine den Leserbrief von Kollege Wappelt veröffentlicht haben, versuche ich es nun über Indymedia. Ffm. 10. Juli 2006

Der Artikel zur Fußball-Weltmeisterschaft vom 26.6. ("…entspannt bei Bier in Frankfurt") bringt uns nah, wie wohl sich Journallisten aus aller Welt in der "International Media Lounge" fühlen. Ist es zuviel verlangt, während der Fußball-Weltmeisterschaft den Blick auch auf andere Themen zu lenken, die internationale Fußballfans aus erster Hand bieten können?

Am 26.6. lud die Gewerkschaft "IG Bau Frankfurt" ein (auch die Presse) ein zu einer Information zweier führender australische Gewerkschafter. Der erste Sekretär der CFMEU (größte australischen Bau- und Bergarbeitergewerkschaft), begleitet vom Joe Mc Donald. Beide berichteten lebendig, wie elementare Arbeiterrechte in Australien ausgehebelt und Geheimdienstmethoden gegen Gewerkschafter angewandt werden. Viele halten Australien für ein demokratisches Land.

Die Howard-Regierung stellt unter Strafe die Durchführung, Vorbereitung und Unterstützung von Streiks, gewerkschaftliche Aktivitäten jede Art. Die Polizei erhielt Vollmachten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit Arbeiter zu verhören wegen vermuteter gewerkschaftlicher Betätigung. Strafen von 22.000 Dollar pro Einzelperson und für die Gewerkschaft von 110.000 Dollar werden angedroht. Aussageverweigerungsrecht besteht nicht. Tarifverträge werden landesweit durch Individualverträge ersetzt. Die Kennzeichnung "Neo-Faschismus" fiel in diesem Zusammenhang.

Mir machten die Gewerkschafter nicht den Eindruck, dass sie sich ihren Schneid abkaufen ließen im Kampf für demokratische und Arbeiterrechte. Wer sie nicht direkt unterstützen will, sollte ihnen zumindest öffentliches Gehör verschaffen.

Wäre hier kein schönes Betätigungsfeld für Journalisten neben einem Lounge-Aufenthalt? Das deutsche Publikum ist wenig informiert darüber, was die australische Regierung anstellt. Bei aller Fußball-Begeisterung wäre etwas mehr Aufmerksamkeit angebracht. Der eingefleischte australische Fußballfan, John Sutton, hätte sich auch ein besseres Timing vorstellen können, da zeitgleich zu seiner Information der Fußballkrimi Italien-Australien lief. Die erste Halbzeit opferte er bereitwillig für unsere Information.

K. Wappelt, Mitglied der IG BAU
i.A. Stefano Marinello, Mitglied der IG BAU