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Mitrauchen? Nein Danke! – Kein Rauch soll uns mehr trennen!

 

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Antwort an das Pfarrgemeinderatsmitglied

Pfarrgemeinderat der
Kath. Gemeinde St. Bernhard
c/o Wolfgang Fahrmeier
Zeiselstraße 17
60318 Frankfurt a/M.

Ffm.,19.11.1995

Sehr geehrter Herr Fahrmeier,

ich danke Ihnen für Ihr Schreiben. Es liest sich allerdings wie eine allgemeine Gleichgültigkeitserklärung. Wie Sie selbst schreiben, könnten Sie sich einerseits sogar meiner Argumentation anschließen, andererseits ziehen Sie es als bekennender Ex-Raucher vor, die Suchtbefriedigung der Innenraumluftvergifter zu sichern, anstatt die Gesundheit der Gemeinde-mitglieder (Kinder, Jugendliche, Schwangere, Asthmatiker und ältere Menschen mit Herz- und Kreislaufkrankheiten) zu schützen. Mit keiner einzigen Zeile haben Sie zu meiner Anregung "Essen und Trinken, ohne nach Tabakrauch zu stinken" Stellung bezogen. Die Argumentation zum Artikel 2 Abs. 1 und 2 des GG im Schreiben vom 4.11.95 war doch deutlich.

Sind ethische Werte in eine christliche Gemeinde nicht mehr zeitgemäß?

1. Menschen treten ungebührlich auf, wenn sie wissentlich ihre Mitmenschen gesundheitlich Schädigen. z.B. wer im Beisein von Kindern raucht, begeht Kindesmißhandlung, daß war auch die überwiegende Meinung der über 10.000 Teilnehmer des 15. Weltkrebskongresses in Hamburg.

2. Ungebührliches Benehmen kann daher leider nur mit militanten Mitteln begegnet werden. Oder würden Sie etwa zulassen, daß Nikotinliebhaber ihre Sucht in der Kirche befriedigen können? Ich sicher nicht, was Sie auch an meiner entschlossenen Haltung feststellen konnten!

3. Sinnvoller wäre es gewesen sich zu erkundigen, aus welchen Gründen ich den Inneraumluftvergiftern die Zigaretten weggenommen hatte. Suchtkranke wollen sich nämlich nicht helfen lassen. Den Nikotinsüchtigen ist es auch gleichgültig, ob andere Mitmenschen im blauen Dunst leiden. Dieser Pfarrgemeinderat wäscht sich wohl die Hände im Unschuld, wie einst Pilatus es tat, als Jesus gekreuzigt wurde. Anscheinend haben die Mitglieder der St. Bemardsgemeinde immer noch nicht begriffen, was Jesus eigentlich wollte.

4. Gäste, die die Gastfreundschaft mißbrauchen, und hierzu zähle ich auch den, der sich über die elementarsten Bedürfnissen anderer hinwegsetzt (z.B. Rauchen in Gemeindeeinrichtungen), müssen tatsächlich ausgeladen werden. In diesem Punkt sind wir uns einig.

5.Niemand macht in den verschiedenen Gemeinden Jagd auf Raucher. Es gibt nämlich Menschen die lediglich am Gemeindeleben teilnehmen wollen, ohne daran zu erkranken. Aufklärungsarbeit betreiben bereits die Krankenkassen, die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Herzstiftung, die Berufsgenossenschaften u.v.a. Uberzeugungsarbeit dagegen ist meines Erachtens auch Sache des Pfarrgemeinderates. Ich könnte mir vorstellen, daß Sie Ihre Zeit hierfür sinnvoller einsetzen könnten, anstatt darauf zu warten, bis jemand den Mut aufbringt und gegen das ungebührliche Verhalten der Innenraumluftvergifter vorgeht, indem er ihnen die Zigaretten wegnimmt. Aufgabe eines Pfaffgemeinderates ist schließlich, sich für eine christliche Gemeinschaft einzusetzen und nicht etwa für die Lebensphilosophie anarchistischer Gruppierungen. Ich bitte um Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüße
Stefano Marinello

Ablichtung an: Bischof Dr. Franz Kamphaus
Anlage: Bericht der FR vom 14.11.95