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– Mitverändern ... |
An den Pfarrgemeinderat der
Katholischen Kirchengemeinde
Maria Hilf und an den neu
gewählten Verwaltungsrat
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Frau Fro..,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16.02.04. Wahrscheinlich hätten Sie andere Worte gefunden, wenn Sie mein Schreiben vom 16.02.04 vorher erhalten hätten. Sie teilen mir mit, Nichtraucher zu sein. Von "fortschrittlichen" Christinnen wurde ich jedoch belehrt, dass die weibliche Endung mit "in" endet.
Obwohl Hinweisschilder darauf hinweisen im ganzen Haus nicht zu rauchen, wurde im Gemeindesaal, neben Ihnen trotzdem gequalmt. Sie hätten jedoch die Atemluft nicht verräuchert empfunden. Schön für Sie! Wissen Sie, ich habe eine unbestechliche Nase und meide daher, wie viele andere gesundheitsbewusste Menschen auch, Veranstaltungen, in welchen die Atemluft mit dem Luftschadstoffgemisch Tabakrauch verseucht wird. Gemeinsam Kirche sein bedeutet für mich nicht, sich Kneipengepflogenheiten anzupassen, um möglichst viele Menschen anzulocken. Wer behauptet eigentlich, dass sich Raucher unerwünscht fühlen, wenn die Tische mit Blumen geschmückt werden, statt mit stinkenden Aschenbechern? Wer sagt, dass ein rauchender Mensch weniger wertvoll ist, als nichtrauchende Menschen Frau Fr...?
Ich habe in Deutschland die Erfahrung gemacht, dass gerade wegen den Aschenbechern auf den Tischen, besonders ältere Menschen vom gesellschaftlichen Leben fern bleiben - und vereinsamen. Ich frage mich daher, warum sich ausgerechnet der Pfarrgemeinderat der Maria-Hilf-Gemeinde mehr um die egoistischen Gelüste der Raucher Sorgen macht, als um das Wohlergehen aller Gemeindemitglieder.
Nicht ganz folgen kann ich der Frage: "ob ein verständnisvolles christliches Miteinander mit solch ausgrenzen-den Maßnahmen gefördert werden kann?!" Kohlenmonoxidliebhaber (Raucher) werden nicht gehindert oder ausgegrenzt Frau Fr.... Nirgendwo! Sie dürfen hingehen, wo immer sie wollen: in Gemeindehäuser, ämter, Bibliotheken, Kinos, Theater usw. - nur dass sie dort halt nicht rauchen dürfen. Offensichtlich werden die Gesundheitsbelange der Menschen (Gemeinsam Kirche sein) bei den Protestanten, ja selbst bei den Atheisten ernster genommen, als bei den Katholiken. Probleme werden durch Mitfühlen - Mitreden - Mithandeln gelöst -und nicht durch schweigen und anpassen Frau Fr....
Auf Jesus Hinweis: "Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" kann ich nur erwidern, dass er aber zur Sünderin auch folgendes gesagt hat, "geh hin und sündige hinfort nicht mehr." Dass der Herr einem die Last der Sünde abnimmt heißt noch lange nicht, dass wir daraufhin fünfe grade sein lassen können. Es heißt nur, dass Gott ein Gott des Erbarmens ist. Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch raucht, dann hätte er die Nasenlöcher nach oben gerichtet, damit der Qualm besser abziehen kann.
Wer also Tabakrauch sät, wird Gift ernten. Dem kann wohl erst entgegengewirkt werden, wenn in der Gesellschaft insgesamt ein Einstellungswandel stattfindet: Weg von der Ellbogenmentalität, dem Faustrecht des Stärkeren, dem Fetisch Leistungssteigerung, hin zu einer Bürger- und Zivilgesellschaft und einer sozialen Demokratie, in der Rücksichtnahme der Schadstoffverursacher vor Duldsamkeit (Toleranz) der Leidtragenden geht. Meinen Sie nicht auch, dass jeder in die Schranken verwiesen werden muss, der sich über die elementarsten Bedürfnisse anderer hinwegsetzt, nur um seine egoistischen Gelüste zu befriedigen? Die angebliche Nikotinsucht ist m.E. nur eine Schutzbehauptung um überall qualmen zu dürfen- oder um nichts dagegen zu unternehmen!
Niemand bestreitet, dass Industrie- und Autoabgase sowie pulsierende Handywellen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlich begründeten Zweifel mehr daran, dass die Qualmerei die wichtigste vermeidbare Einzelursache für viele Krankheiten ist. Armut, Invalidität und vorzeitigen Tod sind vielfach mit durch das Rauchen verursacht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden jährlich mehr Menschen an den Folgen des Rauchens vorzeitig sterben, als durch Aids, Alkohol, illegale Drogen, Unfälle, Morde und Selbstmorde zusammengenommen. Mittlerweile wird die Qualmerei sogar als eine Art "sozialverträgliches Frühableben" eingestuft, weil es angeblich die Rentenkassen schonen würde. Ihre zynische Zusatzbemerkung, dass ein großer Teil unserer Gesundheitsreform, durch unsere Raucher finanziert würde, finde ich daher kleinbürgerlich und sehr unchristlich! Ein seltsamer politischer Blickwinkel.
Übrigens, ein Makel ist eine Hasenscharte, Feuermal, Segelohren usw. aber keine Handlungen, durch die man geschädigt, gefährdet, bedroht, genötigt oder gar terrorisiert wird. Seit wann ist also die Primärprävention etwas Menschenfeindliches Frau Fro..? ( "stellenweise zur Anti-Raucher-Kampagne ausartet") Ihre Worte.
Mit freundlichen Grüßen
Hochatmungsvoll
Stefano Marinello