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Antwort auf das Schreiben von Frau/Herr Mü...
An das Pfarrgemeinderat der
Katholische Kirchengemeinde
Maria Hilf und an das neu
gewählte Verwaltungsrat
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Frau Mü..., sehr geehrter Herr Mü...,
vielen Dank für Ihren Schreiben vom 12.02. 2004. Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu, dass zum Mitmachen, Mitentscheiden und Mitgestalten Gemeindemitglieder andere Möglichkeiten haben als den Kappenabend.
Es mag Ihnen daher etwas ungewöhnlichen erscheinen, dass ich der "Kappenabend" lediglich zum Anlass genommen habe um mit dem Pfarrgemeinderat der Maria Hilf-Gemeinde zu kommunizieren. Offensichtlich habe ich mein Anliege nicht richtig zum Ausdruck gebracht. Daher werde ich versuchen, meine Beweggründe ausführlicher darzustellen.
Ich bin Nichtreligiös, das nur nebenbei. "Nichtraucher", welch ein unsinniges Wort! Wie oft hört man das Bekenntnis ich bin aktiver oder überzeugter, wenn's hoch kommt, sogar leidenschaftlicher Nichtraucher. Welche Begriffsverwirrung, überzeugt etwas unterlassen. Mit diesem passiven Attribut begeben sich die Rauchgegner unbewusst in das Ghetto, lassen sich ausgrenzen oder als untolerant abstempeln. Unter Ausnutzung dieses Un-Wortes verstanden es demnach die Gesundheitshüter, Begriffe unter's Volk zu streuen wie: "Nichtrauchen kann man trainieren", oder an die Jugend: "Nichtraucher bleiben!". Mit anderen Worten, in Demut und Ergebenheit die persönliche Freiheit des Rauchens akzeptieren, wenn einem auch kotzübel wird und man mit Haut und Haaren dem Tabakmief ausgeliefert ist,
Schon das gesunde Empfinden sträubt sich dagegen, Christentum und Rauchen als vereinbar anzusehen. Auch die Bibel enthält Grundsätzliches, das Antworten auf die Frage nach dem Wert oder Unwert des Rauchens gibt. Rauchen begünstigt und verursacht nämlich Krankheiten wie Herz- und Kreislaufbeschwerden, Magenerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Krebs. Es mindert so das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Im 1. Korintherbrief 3, 16-17 heißt es jedoch:
"Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr."
Wir sind also zu Menschen geboren worden und nicht zu "Nichtrauchern und Nichtraucherinnen". Schließlich sprechen wir auch nicht von "Nichtpriester" oder "Nichtpolizist" usw. Die Wörter "feuer und dampff sauffen, Rauch fressen, aus der Pfeife trinken" usw., wurden nämlich im 17. Jahrhundert von den Tabakmonopolisten durch das konsumfreundlichere Wort "Rauchen" ersetzt. Und das Wort "Nichtraucher" tauchte erstmalig auf, mit der Einführung der deutschen Reichsbahn, durch nichtrauchenden Offiziere.
Mit Freude entnehme ich jedoch, dass in unserem Gemeindehaus die Menschen gebeten würden nicht zu rauchen. Vorbildlich würden im ganzen Haus die bekannten Hinweisschilder aushängen. Und das Besucher gebeten würden im Hof oder zumindest vor der Gemeindehaustür zu rauchen. Nach dem Motto "Gott liebt auch die Raucher" bedaure ich allerdings aus Ihren Zeilen zu entnehmen, dass wenn sich jemand trotzdem einfach eine anstecken sollte, Sie dann nicht Polizei spielen - und diese ungebührliche Verhaltensweise nicht aus dem Haus verweisen würden.
Die Zusatzbemerkung "jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich" ist im Grunde richtig, doch in Anbetracht dessen, dass z.B. in Deutschland über 4 Millionen(!) Asthmatiker/innen gibt, denen das Lachen bei Tabakqualm schnell vergeht, stellt sich die Frage: Wie jeder für seine Gesundheit selbst verantwortlich sein kann, wenn Kohlenmonoxidliebhaber (Raucher) sich viel zu oft über die elementarsten Bedürfnissen anderer hinwegsetzen.
Rauchen belastet also auch die Atemluft der Mitmenschen. Selbst die Nachkommenschaft wird durch Schädigung der Zellatmung gefährdet, was zu Fehlgeburten, Missbildungen und Entwicklungsstörungen führen kann. Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 1.500 Säuglinge, weil im Elternhaus geraucht wird, ganz zu schweigen von den Kleinen, die durch das Luftschadstoffgemisch Tabakrauch "nur" krank werden.
Dabei finden wir bei Lukas 10, 27 zum Gebot der Nächstenliebe folgendes:
"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzen Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deine Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst."
Auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema: "Kryo-Recycling-Verfahren" hat z.B. Prof. Dr. Harry Rosin auch auf die bedenkliche Dioxinbelastung durch das Luftschadstoffgemisch Tabakrauch in Innenräumen hingewiesen. Der Nebenstromrauch von Zigaretten entstünde nämlich bei Verbrennungstemperaturen um 600 ēC unter Sauerstoffmangel. Diese Bedingungen begünstigten die Dioxinbildung wesentlich stärker als beim Hauptstromrauch, der unter Sauerstoffüberschuss bei 900 ēC produziert wird.
Dr. rer. Nat. Wolfgang Rotard vom Bundesumweltamt, Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene errechnete, dass wer sich mehrere Stunden in einem verrauchten Raum aufhält, mehr Dioxin zusätzlich abbekommt, als Anwohner von Müllverbrennungsanlagen während ihres Lebens. Dies alles verdeutlicht warum der Schutz vor dem Luftschadstoffgemisch Tabakrauch in Innenräumen, notfalls mit Nachdruck durchgesetzt werden muss!
Rauchen belastet aber nicht nur die Atemluft sondern führt auch mittelbar zur Umweltzerstörung. Die Tabakproduktion ist nämlich auch für die Verwüstung der Natur und die soziale Misere in den Anbauländer der "3. Welt" mitverantwortlich. Für die Trocknung des Tabaks wird das Holz von mindestens 1,2 Millionen Hektar (12.000 km2) Wald pro Jahr verbraucht. Damit ist die Tabakindustrie der zweitgrößte Verbraucher von Brennholz! Malawi (Afrika) ist z.B. völlig in der Hand der Tabakmonopolisten. Der Tabakanbau und die Ernte ist dort auch meistens die Arbeit von Frauen und Kinder! Quelle: Regenwaldreport und ZDF-Reportage vom 15.09.2002
Kann es der Welt am Ende so gehen wie der alten assyrischen Hauptstadt Ninive,
über die der Herr Gericht gehalten hatte? Zefanja 2, 13, 15:
"Ninive macht er zur öde, es verdorrt wie die Wüste. (...) Das also ist die fröhliche Stadt, die sich in Sicherheit wiegte, die dachte: Ich und sonst niemand! Welch eine Wüste ist sie geworden, ein Lager für die wilden Tiere. Jeder, der dort vorbeikommt, pfeift und hebt entsetzt seine Hand."
Die Welt gibt jährlich etwa eine Billion Dollar für die Rüstung aus, während gleichzeitigAllein in Deutschland werden täglich über 63 Millionen Euro einfach verqualmt. Keine Hungernden werden gesättigt und keine Nackten werden gekleidet, was könnte mit all dem Geld geschehen? Außerdem würden in vielen sozial benachteiligten Familien jeden Monat bis zu 250 verqualmt und die Frau geht dafür putzen. Für mafiose Strukturen das letzte Hemd, aber für bessere Lebensbedingungen keinen Cent.
Passivrauchende Frauen sind also besonders arm dran !Folgerichtig wies Bischof Dr. Franz Kamphaus, Mitte der 90er Jahren daraufhin, dass Solidarität keine romantische Idee ist, sondern ... Da die private Gelüsten einzelner bzw. das Luftschadstoffgemisch Tabakrauch für viele Menschen, insbesondere aber für Kinder, Allergiker, Asthmatiker, Herz- und Kreislaufkranke übelkeit, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Halskratzen bedeutet. Und sie in diesem Gestank nicht mehr richtig atmen können. Nützt es also den hilflosesten Opfer des Zwangsmitrauchens recht wenig, wenn nur an die Vernunft jedes einzelnen Menschen appelliert wird, Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen.
Primärprävention darf schließlich nicht zu einer Anpassung des Menschen an schädigende Verhaltensweise führen, sondern muss am Entstehungsort von Gesundheitsbelastungen ansetzen und die Betroffenen auf Gesundheitsgefahren aufmerksam machen. Sie muss auf die Verhinderung der Gesundheitsgefahren abzielen und die Betroffenen anhalten, gegen Gesundheitsgefahren vorzugehen, und zwar auch gegen Gesundheitsgefahren die durch Zwangsmitrauchen drohen.
Daher Schluss mit der Unkultur der Rauchdiktatur! Denn es belastet besonders den persönlichen Einsatz der Frauen bei der Bewältigung der komplizierten Alltagsprobleme.
Was gibt es also in unserer Gemeinde Wichtiger als die Gesundheit Frau/Herr Mü...? Alles was unsere Lebensbedingungen beeinträchtigt müssen wir versuchen, wenn notwendig auch mit Nachdruck zu beseitigen! Wie z.B. auch die Obdachlosigkeit, Massenarbeitslosigkeit, usw. Es kommt daher nicht darauf an wie viel ich über die Qualmerei bescheit weis, sondern wie viele Gemeindemitglieder es bescheit wissen!
Ihre berechtigte Kritik "Wir fragen uns sehr oft, wo sind denn die Gemeindemitglieder wenn es um Entscheidungsfragen geht." Kommt mir sehr bekannt vor Frau/Herr Mü.... Ich stimme Ihnen daher auch in dieser Frage uneingeschränkt zu, dass es viele Möglichkeiten gibt am Gemeindeleben teilzunehmen und es rauchfrei mitzugestalten. Mal schauen was sich da machen lässt, da ich als engagierter Gewerkschafter bereits sozial- und gesundheitspolitisch aktiv bin.
Im Sinne einer konstruktiven Kritik,
mit freundlichen Grüßen, Hochatmungsvoll
Stefano Marinello
Übrigens, es erheitert mich zu entnehmen, dass Sie bislang noch keine
Nachttöpfe auf den Tischen unseren Gemeinde gesehen haben (grins).